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Transferierungen in Zeiten der Malaria - Malerei der letzten 2 Jahre

Das Jahr zweitausenundfünfzehn glänzte durch Malereiverdrossenheit. Ein Jahr der Suche. Neue, formelle Auseinandersetzungen tobten einen Ausweg. Das leise vor sich hin schwelende Häufchen Asche wurde zu einem Phönix-(Flächen-)Brand. Was lange Zeit als "genügend" erachtet, wurde plötzlich ein Mangel. Die flache Fläche der Leinwand genügt(e) nicht mehr. Will nicht mehr. Kaum beachtete D(r)inglichkeiten suchten in der Misere Asyl auf reinem Malgrund.

                                                                                                                                                                                          -J.Schießl

Photographie: Bernd Telle

Zeichnung 2014-2016

Nachdem ich in den Jahren 2005-2013 hauptsächlich via Medium Zeichnung gearbeitet habe, ist es im Moment nicht mein Favorit. Zumindest nicht auf Papier. Die Zeichung findet sich unter dem Pseudonym "Mischtechnik" in mitlerweile allen Arbeiten von mir. Trotzdem bleibt Zeichnung für mich, nach wie vor, Basis jeglichen künstlerischen Schaffens und ein Steckenpferd. Anbei eine kleine Auswahl.

 

Photographie: J.Schießl

 

Königreich Kind

2016: Eine Kooperation mit meiner Tochter Dorothea Kramp. Sie ist mir seit ihrer Geburt eine große Inspiration. Kinder sind großartige Maler und Zeichner. Durch die Bank. Sie konstruieren mit einer vermeintlichen Leichtigkeit perfekte Bilder. Perfekt im Format. Perfekt in der Farbwahl. Perfekt in ihrer Abstraktion. Man sitzt daneben und kann nur staunen. Wer hiervon als "Kritzelei" spottet, verkennt die Kunstgeschichte der letzten 100 Jahre.

Die Collagen bestehen aus Zeichnungsfragmente meiner Tochter. 2015 habe ich begonnen diese zu be- und verarbeiten und nach einem Jahr sind sie nun fertiggestellt. Ein harter Kampf. Mein Anliegen war es, Farbigkeit möglichst subtil zu verarbeiten.

 

Photographie: J.Schießl

Druckgraphik 2015,2016

Anbei eine Auswahl der Druckgraphiken der letzten beiden Jahre. Ich arbeite hierbei mit Depron: Depron ist ein Material, das eigentlich im Modellbau als auch bei Dämmungen zum Einsatz kommt. Der Vorteil für den Druckgraphiker liegt in der Einfachheit und Schnelligkeit hinsichtlich der Bearbeitung und des eigentlichen Druckverfahrens. Ich verwende es als eine Art Schablonendruck. Fast schon in der Tradition der Assemblage.

In den Bildern der Serie "Gestehe, dass Du frei bist" habe ich künstlerisch einen Ausweg gesucht und mir erarbeitet. Mich langweilte alles bisherige und ich wollte mich formal neu aufstellen. Flächiger, etwas geometrischer werden. Ich hatte mich mit Künstlern der Konkreten Kunst auseinandergesetzt (z.B.John Hoyland, Alberto Magnelli) und fand dort etwas, was ich erreichen wollte.

In den Bildern der Serie "Transferierungen in Zeiten der Malaria" habe ich versucht dem Deprondruck etwas malerisches abzugewinnen. Nicht mehr so schablonenhaft zu arbeiten. Der Titel ist ein künstlerisches "abkotzen" über die allgegenwärtige Pseudofigürlichkeit der derzeitigen Kunstproduktion Land auf, Land ab.

Neue Kunstwerke benötigen bei mir stets auch neue Musik. Für die Serie "coffee, no cigarettes but a lot of death metal" war der Titel Programm. Ausgestattet mit Musik von Metal Bands wie Crematory, Sodom, Paradise Lost und diversen anderen verbarrikadierte ich mich in meiner Druckwerkstatt in Regenstauf und arbeitete meist nachts. Keine Hektik, keine Störungen. Nur stille Ruhe. Perfekt. Immer mit an Bord natürlich, mein Freund, der Kaffee Krallmayr ProHomo.

 

Photographie: J.Schießl

 

LandEscapes

 

Äußere Land-Erkundungen führten bei Schießl im Laufe der Zeit zusätzlich und unweigerlich zu inneren Erkundungen. Denn die Frage nach dem, wie man sich im Neuen Land und Kontext wahrnimmt, was dieses mit einem macht und was es da für einen zu entdecken gilt und warum man sich überhaupt aufmacht, führte letztlich weg von Bildern, die nur die äußerliche Welt und damit das optisch bekannte und bestimmbare Dinge zeigen – kurz gesagt: Weg vom Unterholz des Dschungels hinein in die Verästelungen und den Stimmungswirrwarr im Inneren (…) Die Titel greifen frech, direkt, nachdenklich machend auf, was die Bilder auch andeuten – collageartig ergänzen sie die Bildwelten um erzählerische Aspekte, die Büchern, Geschichten und vor allem Songtexten entstammen. Die Art der Titelgebungen verweist auch darauf, dass man begriffliche oder textliche Abstrakta ins Bildnerische ummünzen kann, ohne dabei platt zu illustrieren.

 

                                                                    - Stefan Renner / Städtische Galerie Geislingen

 

Photographie: U.Pfeiffer, D.Moosburger

Panguana - Neues Land

Diese neue Phase in Schießls Malerei begann 2012 nach seinem Aufenthalt in Panguana im Dschungel des Amazonas. Vielleicht rühren von daher die „dschungelhafte“ Dichte und die vitale Farbigkeit, weil sich eine solche Landschaft in ihrer Fülle für ihn nicht mehr direkt vor Ort erfassen ließ. Panguana heißt hier „Neues Land“ und es fügt sich ganz stimmig, dass der Maler mit diesen neuen Bildern buchstäblich Neuland betritt. In Schubladenbegriffen ausgedrückt: vom Gegenständlichen zur Abstraktion. Das kennt man und so stellen sich viele wie selbstverständlich den Weg eines modernen Künstlers vor. Aber in der zeitgenössischen Kunst existiert der alte Gegensatz von zu überwindender Gegenständlichkeit und zu erringender Freiheit im Ungegenständlichen nicht mehr. Viele Künstler wechseln lustvoll hin und her, spielen verschiedene Rollen oder lassen sich auf wechselnde Interessen ein. Johannes Schießl, der Landschaftsmaler, „tankt“ vor Ort auf und verwandelt für sich das Gesehene in Malerei. Diese Bindung sucht er und braucht er, denn unverbindlich will er nicht sein.

 

> Volker Lehnert, Professor an der ABK Stuttgart <

 

Photographie: D.Moosburger